Ich würde niemals auf Hotdogs verzichten!

Als ich als zehnjährige mit meiner Cousine eine grausame Dokumentation über die Tierhaltungen zur Lebensmittelproduktion gesehen habe, meinte ich: «Ja, das ist brutal. Aber ehrlich; Fleisch ist so fein, ich könnte niemals darauf verzichten!».

Heute bin ich seit gut 13 Jahren trotzdem und immer noch Vegetarierin; Nicht der Gesundheit wegen, sondern weil mich die paar Tage nach dem Film das schlechte Gewissen gepackt und ich alsdann den Entschluss gefasst habe: «Wegen mir soll keine Tiere sterben müssen!»

Warum ich das erzähle?

Weil ich letztens die genannte Cousine wieder getroffen habe, wegen der ich heute zu den Vegetariern zähle. Und da beim Revue passieren lassen, war ich sehr beeindruckt, wie EINFACH wir uns mit zehn Jahren dafür entschieden hatten, auf Fleisch zu verzichten.

Und das so plötzlich, obwohl ich wusste, auf welchen Genuss ich in Zukunft verzichten muss. Ja wirklich, ich liebte Hotdog essen bei IKEA, freute mich beim Flohmarktbesuch am meisten auf den Burgerstand und zählte «Hörnli mit Ghacktem» sowie marinierte Pouletflügeli zu meinen Lieblingsspeisen.

Nüchtern entscheiden statt emotional leiden

Wie oft sagt sich der Erwachsene, ach komm, probier’s jetzt mal aus mit Yoga. Lass die Genusszigarette zum Alkohol. Du brauchst dieses Fertigprodukt nicht, der Kühlschrank ist mit Frischware voll. Du sollst nicht Auto fahren, nimm den Bus. Du hast genug Kleider; Du darfst nicht im Ausverkauf-Warenhaus zu stöbern.

Und dann geht der Erwachsene gedankenverloren los und handelt trotzdem wieder gegen seine Vernunft und gegen seine eigenen Wertevorstellungen. Dabei nicht selten sogar verärgert über die eigene Inkonsequenz.

Es ist nicht so, dass ich nach meiner Entscheidung nie mehr an Fleisch gedacht habe. Ich weiss noch, dass ich damals die leckeren Fleischwaren sogar sehr vermisste. Und trotzdem hatte ich nie an meiner Entscheidung gezweifelt und stattdessen meine Lust bewusst ausgetrickst: Wenn mich eine Wurst oder ein fein zubereitetes Lammnierstück «gluschtete», bat ich einfach um den Teller der anderen.

Ich hielt das Stück Fleisch ganz nah an meine Nase und holte einmal, vielleicht auch zwei, oder dreimal tief Luft – um es dann wieder zurück zu geben: «Mmh das riecht fein! Ich kann mir vorstellen, wie toll das schmeckt! Danke, ich habe jetzt genug; einen guten Appetit wünsche ich Dir.»

So habe ich das gemacht, bis mir die Lust nach Fleisch schon bald völlig verpuffte.

Persönliche Werte wahren

Der Rückblick auf meine damalige Entscheidung macht mich stolz: nicht, weil ich mich als Vegetarierin heute zu den besseren Menschen zähle, um Gottes Willen; ich weiss doch auch, wie wir mit massenhaftem Anpflanzen von Soya, Mandeln, Avocado, Mais, Chia, Quinoa und und und die Welt kaputt machen.

Um solche Moralvorstellungen geht es mir hier grad nicht.

Ich bin stattdessen stolz darauf, dass ich so schnell, so einfach, so klar, so nüchtern und selbstbewusst meiner inneren Entscheidung nachgegangen bin, ohne mich von meinen Trieben und anderen verunsichern zu lassen.

„Wegen mir soll kein Tier sterben!“
(Ja, auch wenn es hier grad etwas anders aussieht 😉 )

Darum denke ich, ist es wichtig, Entscheidungen und Meinungen von Kindern respektvoll gegenüberzutreten; Denn im Gegensatz zu uns alten Gesellschaftshasen können sie noch ganz bewusst ihrer eigenen Stimme folgen.

Und ist es nicht genau diese Stimme, die wir im Erwachsenenalter plötzlich so verunsichert und sehnsüchtig wieder zu suchen beginnen?

Ich sehe Kinder als Vorbilder, weil sie nicht auf die Idee kommen, Bequemlichkeiten und normalisierte Dummheit mit dem allgemeinen Treiben der Gesellschaft zu entschuldigen.

Und nochmals, weil mir diese Botschaft wichtig ist: Ich spreche hier nicht für den Wandel zum Vegetarismus. Ich spreche von Eigenverantwortung, Selbstbestimmung und erfülltem Sein. Warum sonst schliessen wir die Augen beim Küssen, beim Träumen, beim Geniessen, beim Lieben oder auch beim Beten? Vielleicht wirklich, weil wir im Innern wichtigeres spüren und erkennen, als wir draussen beobachten und sehen?

In dem Sinne einen wunderbaren Wochenstart, lass Dein Herzen sprühen <3

Kommentar verfassen

Powered by WordPress.com.

Nach oben ↑

%d Bloggern gefällt das: