Ernährungsratschläge sind gefährlich. Und unnötig.

Das glaube ich wirklich.

Nicht weil Aussagen per se schlecht sind oder nicht stimmen. Aber weil der Mensch sich daran festklammert.

«Ich weiss, dass ich nichts weiss.» wissen wir schon lange. Das bringt Unsicherheit. Und die wollen wir nicht. Also suchen wir DIE Lösung, an der wir uns festhalten können: im Beruf, im Sport, in Religions-Fragen. Und weil letzteres in westlichen Kreisen zunehmend an Gewicht verliert, verlagern wir unsere Gläubigkeit halt in andere Bereiche. Zum Beispiel in Veganismus. Oder in die Zuckerabstinenz. In Bioprodukte oder in die komplette Gleichgültigkeit.

Obwohl die Gleichgültigen gar nicht so gleichgültig sind.

Viele Personen in meinem Umkreis, die nichts mit Ernährungsweisheiten am Hut und absolut kein Bedürfnis an einer Stoffwechsel Analyse haben, interessieren sich lustigerweise trotzdem sehr für meine Tätigkeit und die Lehre der verschiedenen Stoffwechsel-Funktionen.

Dann wollen sie neugierig wissen, warum ich, die «Ernährungsberaterin» (im Ernst: ich verabscheue diese Bezeichnung!) gerade mit einem grossen Bier in der Hand vor Ihnen stehe.

Ja godfriedstutz, warum denn nicht?

Kein Verzicht ist meine beste Lösung

Eine Kundin meiner Mutter wollte schon lange ihren Stoffwechsel messen, hatte sich beim Terminvereinbaren aber immer wieder gedrückt. Dann erklärte sie mir endlich ihr Zögern: sie hatte Angst, dass ich ihr nach einer Analyse sagen könnte, dass Tomaten nicht gut wären für sie. Und sie liebe Tomaten.

Ich habe gelacht.

Weil das genau die Vorurteile sind, die ich bekämpfen will. Weil sie genau das Gegenüber ist, mit dem ich am liebsten zusammenarbeite.

Weil es nicht um Tomate oder Schokolade geht: Weil einfach nichts nicht nie sein darf. (Zu kompliziert? Ersetzte «nichts» mit Deiner Lieblings-Sünde).

«Wir müssen uns eingestehen, dass Verzicht nicht in der Natur des Menschen liegt.»

Auch ich verzichte nicht. Weder auf Kaffee, noch auf Alkohol oder Zucker. Nicht auf Pommes und schon gar nicht auf fettigen Käse oder Mayo!

Eine erfüllte Verantwortung ohne Einschränkung – na wie klingt das?

Meiner Meinung nach geht es nicht ums Kategorisieren in gesund und ungesund. In Go und NoGo.

Stattdessen wünsche ich vielen Personen nur, mit Selbst- und Verantwortungsbewusstsein selbstständig so leben zu können, dass sie ihr eigener und bester Ernährungsprofi sind. Ohne durch Ratschlägen der Aussenwelt irritiert zu werden.

Das heisst, dass ich auch mal ein Bier trinken kann, wenn ich Lust habe. Und aufhöre, wenn ich merke, dass ich mich nicht mehr wohl fühle.

Dass ich den Sonntagsbrunch mit Croissant und Speck befreit geniesse, ohne dass ich die raffinierten Nahrungsmittel regelmässig jeden Tag einbaue.

Dass ich Softgetränke zwischendurch lieben darf, aber weiss, dass es keinen Tropfen Wasser ersetzt.

Dass ich mich bewege, wenn ich merke, träge zu werden.

Damit ich leben und genussvoll sündigen kann, ohne mich schuldig und schwach zu fühlen.

So. Herzlichen Dank fürs Lesen!

Bist Du anderer Meinung? Ich lasse mich sehr gerne auf andere Blickwinkel ein! 😊 Schreib mir doch: im Kommentar oder ganz heimlich an lynn.win@bluewin.ch 😉

4 Kommentare zu „Ernährungsratschläge sind gefährlich. Und unnötig.

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  1. Liebe Lynn, ich bin ein Fan Deines Blogs seit der ersten Sekunde – das weiss Du ja 😀
    Weil ich Deine Ratschläge so toll finde, habe ich Dich in meinem neuen Artikel verlinkt, es geht um Übelkeit. Kannst Du noch den ein oder anderen (Geheim)tipp beitragen? Das würde mich freuen!
    Liebe Grüsse
    Janine von https://www.vivarubia.com/

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