Zuckersüchtig.

Nicht Weed oder Hasch – Zucker ist DIE Einstiegsdroge.

Zucker beeinflusst die Gehirnstruktur mit seinen Botenstoffen so stark, das bei einer Abhängigkeit sogar die gleiche Hirnveränderung auftritt wie beim Konsum von harten Drogen (Kokain, Heroin).

Und das ist meiner Meinung nach wichtig, zu wissen, damit:

  • Wir unbegründete Stimmungsschwankungen zuordnen können.
  • Uns die Nahrungsmittelindustrie nicht unbemerkt manipulieren kann.
  • Damit wir die natürlichen Beweggründe zu Heisshungerattacken physiologisch verstehen und wirkungsvoll entgegenwirken können.
  • Menschen mit Essstörungen Ernst genommen werden und besser über ihre Probleme reden können. Denn viele Essstörungen sind das Resultat einer stoffgebundene Abhängigkeit wie es jede andere Droge darstellt.

Du glaubst, ich übertreibe? Dann würde ich mich freuen, wenn Du Dir für Folgendes kurz Zeit nimmst.

Denn Zuckersucht betrifft nicht nur Essgestörte.

Zucker

Wer ist zuckerabhängig?

Schlanke, vitale Personen könnten jetzt denken: man muss sich nur ans richtige Mass halten, da trägt jeder Übergewichtige seine eigene Verantwortung.

Verantwortung trägt jeder, ob süchtig oder nicht.

Aber es sind nicht nur übergewichtige Menschen zuckersüchtig.

Ganz unbemerkt will das zuckersüchtige Hirn nämlich  den Serotoninspiegel zum «positiven» beeinflussen und manipulativ weit oben halten.

Und das auch bei objektiv gesunden Menschen, die weder an Gewichtsproblemen noch bewussten Essstörungen leiden. Denn auch bei ihnen werden durch Zucker die Botenstoffe im Gehirn künstlich beeinflusst. Auch hier verändert sich die Gehirnsubstanz über längere Zeit. Und auch hier beeinflusst das Essen das eigene Gemüt mehr, als es sich manch jemand wünschen würde.

Dabei geht es nicht nur um den klassischen, weissen Zucker. Auch Alkohol wird vom Körper wie Zucker verstoffwechselt. Oder auch Weissmehl-Produkte, Fertig-Menüs und Koffein lösen dasselbe Suchtverhalten aus.

Auch viele schlanke Menschen leiden an einer Zuckersucht. Einfach gesellschaftlich unbemerkbar.

Stimmungsschwankungen, Konzentrationsmangel, Schlafstörungen und Hilflosigkeit

Womöglich sind es die kaum merkbaren Entzugssymptome, die uns diese Sucht nicht ernst nehmen lässt:

Man beginnt weder zu zittern noch zu schwitzen, leidet unter keinen Schwindelgefühlen oder unkontrolliertem, asozialen Verhalten, wenn man mal keinen Zucker kriegt.. Oder?

Je nachdem nicht. Obwohl es absolut auch diese Fälle gibt.

Aber wie auch die klassischen Drogen lässt sogar Zucker den Dopamin- („schneller, höher, weiter – besser!“) und Serotoninspiegel („zufrieden und gelassen“) nach oben schnellen.

Die Entzugserscheinungen entstehen bei Zucker demnach hauptsächlich durch diese irregeleiteten Botenstoffe: sie erschaffen „bloss“ ein unzufriedenes Wohlbefinden oder innere Unruhe, wodurch wir ganz unbewusst und ohne offensichtlichen Zusammenhang zum nächsten Zückerchen greifen.

Was die Botenstoffe machen:

Ein Dopamin-Mangel führt zu Antriebsschwäche, mangende Konzentration und Lustlosigkeit. Ein zu tiefer Serotoninspiegel macht ängstlich, unzufrieden und zickig. Unsicher und Hilflos. Ein länger anhaltendes Ungleichgewicht dieser Botenstoffe kann sogar zu unbegründeten Panikattacken führen.

Die klassischen Entzugserscheinungen von Zucker sind also kaum zuzuordnenden und werden eher als subjektive Stimmungsschwankungen empfunden.

Mehr zu süchtigem Verhalten

Guter und böser Zucker?

Bei Zucker geht es dabei wie kurz angedeutet nun nicht nur um den klassischen, weissen Zucker. Zucker ist auch in stärkehaltigen Produkten (=Sättigungsbeilagen) wie Getreide, Kartoffeln, Mais sowie in Alkohol oder Milch (Milchzucker). Und nein: diese Produkte sind nicht per se schädlich. Genauso wenig wie es Sport oder Wasser ist – wenn man damit nicht übertreibt.

Das Problem der Sucht liegt an der heutigen Vielfalt an komplexen Nahrungsmittel.

An der systematischen Überzuckerung der Industrie.

Und an der Bequemlichkeit, wie schnell und ohne Aufwand wir an Essen kommen.

Welche Art von Zucker spielt dabei keine Rolle. Im Moment gelten vor allem Honig, Frucht- und Vollrohrzucker als idealer als weisser Haushaltzucker. Nahrungsmittelhersteller stellen sogar freiwillig auf Alternativen um – weil die Kunden ein besseres Gewissen haben und Produkte mit dieser Deklaration so viel bessere Verkaufszahlen bringen.

Den Botenstoffen ist das aber egal: Zucker ist Zucker.

Die akzeptierte Methode gegen Trägheit

Wir machen uns lustig drüber ohne zu merken, dass wir uns selbst schaden. Es gibt T-Shirts, da steht drauf: «Ok. But Coffee first.» – Wir brauchen erst was, um zu funktionieren.

Kaffee. Ein Eis. Redbull. Ein Nutellabrot.

Beziehungsweise; wir glauben, dass wir „es“ brauchen.

Weil es gesellschaftlich verankert ist. Weil Menschen mit einem hohen Dopamin Spiegel, also mit hoher Motivation und Tätigkeitsdrang, etwas zu erreichen und zu gewinnen, einen hohen Stellenwert haben – und jeder MÖGLICHST SCHNELL auch diesen Antrieb will.

Und weil die Nahrungsmittelindustrie bewusst mit diesem Abhängigkeitsverhalten Profit macht.

Glücklich UND frei

Essen ist unser Treibstoff. Aber nicht Zucker.

Ich will Zucker nicht verteufeln (oh Gott, ich arbeite in der Gastronomie, da möchte ich nur ungerne auf mein Feierabendbier verzichten 😉).

Mit diesem langen Schreiben möchte ich nur wach rütteln und zum Beobachten anregen.

Denn wir leben im bequemsten Zeitalter, das es bisher gab, und können uns überall und einfach an zuckerreichen Produkten bedienen. Da haben wir wenigstens ein Recht darauf, zu wissen, was Zucker mit uns macht. Und wie wir verantwortungsvoll damit umgehen können.

Weil wir so vielen körperlichen Beschwerden, Stimmungstiefs und innerer Unruhe plötzlich selbst entgegenwirken können.

Und bewusster, ohne Zwang und bösen Folgen, geniessen können.

Wann und wie entsteht ein süchtiges Verhalten?

 

 

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